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Die Jugend im Blick: Buseck ist die erste «jugendgerechte Gemeinde» im Landkreis Gießen

11.03.2021

Verantwortliche unterzeichnen Kooperationsvereinbarung zur Umsetzung der Initiative „Jugendgerechte Städte und Gemeinden und jugendgerechter Landkreis Gießen“

Collage der Beteiligten am Anstehen der Kooperation
Auch wenn die abgebildeten Protagonist*innen im Bereich der Jugendbeteiligung inhaltlich eng beieinanderstehen, so ist während der Pandemie körperlicher Abstand natürlich Pflicht! Deswegen zeigt eine Collage, wer am Entstehen der Kooperation „Jugendgerechte Städte und Gemeinden und jugendgerechter Landkreis Gießen“ beteiligt ist. Für den Landkreis Gießen in der oberen Reihe v.l. Landrätin Anita Schneider, Jugenddezernent Hans-Peter Stock und Ingrid Macht, Teamleiterin der Kreis-Jugendförderung. Die Gemeinde Buseck ist die erste Kommune, die die Kooperation eingegangen ist. Mitstreiter*innen in Buseck sind, v.l. KJB-Vorstandsmitglied Angelina Böhmer, Jugendbeauftragter Norbert Weigelt, Erster Beigeordneter Gerhard Hackel, KJB-Vorsitzende Svenja Koch, KJB-Vorstandsmitglied Philipp Luh, Jugendpfleger Andreas Geck und Bürgermeister Dirk Haas.

Buseck ist die erste „jugendgerechte Gemeinde“ im Landkreis Gießen, nachdem die Verantwortlichen in Gemeinde und Kreis die Kooperationsvereinbarung zur Umsetzung der Initiative „Jugendgerechte Städte und Gemeinden und jugendgerechter Landkreis Gießen“ unterzeichnet haben. Was theoretisch klingt, wird praktische Auswirkungen auf das Leben der Jugendlichen und Kinder in Buseck haben. Denn sie sind eingeladen, sich zukünftig noch wirksamer an Diskursen und Entscheidungen zu beteiligen, und können somit auf das Dasein in der Gemeinde Einfluss nehmen.

„Wir müssen Jugendlichen möglichst früh die Möglichkeit geben, ihr Umfeld mitgestalten zu können. Wenn wir es schaffen, junge Menschen in politische Prozesse einzubeziehen, gewinnen wir sie auch für unsere Demokratie“, sagt Landrätin Anita Schneider und begründet so auch die Entscheidung des Kreistags zur Umsetzung der landkreisweiten Initiative „Jugendgerechte Städte und Gemeinden – jugendgerechter Landkreis Gießen“. Sie ist entstanden aus der kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Gießen, sowohl der Städte und Gemeinden als auch auf Kreisebene.

Bereits vor Weihnachten haben die Landrätin und Kreis-Jugenddezernent Hans-Peter Stock die Kooperationsvereinbarung für den Landkreis unterzeichnet, seitens der Gemeinde Buseck unterschrieben Bürgermeister Dirk Haas und der Erste Beigeordnete der Gemeinde, Gerhard Hackel. Ein gemeinsamer Termin, auch zur öffentlichen Vorstellung des Übereinkommens, konnte pandemiebedingt nicht stattfinden. Weil die Unterzeichnung aber ein Meilenstein auf dem Weg für eine einflussreiche Zukunft der jungen Generation darstellt, möchten die Verantwortlichen trotzdem über ihre Absichten sprechen.

Gesellschaftliche Veränderungen machen eine Beteiligung Jugendlicher besonders wichtig

Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft stehen Politiker nicht nur im Landkreis Gießen vor der Herausforderung, die jüngere Generation wirksam zu beteiligen sowie für einen fairen Ausgleich und bedarfsgerechte Angebote für junge Menschen zu sorgen. Jugendbeiräte sowie andere Beteiligungsformate sind dabei nur ein Baustein für mehr Mitbestimmung.

Hans-Peter Stock führt zudem den gesetzlichen Auftrag zur Partizipation junger Menschen an: In den hessischen Gesetzen sei verankert, dass Kommunen bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen sollen. „Die Kommunen sind also in der Pflicht, geeignete Verfahren zur Jugend-Beteiligung zu entwickeln und durchzuführen. In der gelebten Praxis gestaltet sich das aber oft schwierig“, gesteht er ein.

In Buseck läuft schon vieles sehr gut im Bereich der Jugendpolitik

Die Landkreisinitiative will deswegen im Schulterschluss mit den Kommunen die Beteiligung junger Menschen und die Jugendpolitik vor Ort voranbringen. Die Gemeinde Buseck gehe mit gutem Beispiel voran, lobt Ingrid Macht. Sie ist Teamleiterin der Kreis-Jugendförderung und begleitet die Initiative federführend. Sie sagt: „In Fragen der Jugendbeteiligung läuft in Buseck vieles schon sehr gut. Es gibt einen ausgesprochen engagierten Kinder- und Jugendbeirat, der in der Region seinesgleichen sucht.“ Für die Interessen der jungen Busecker*innen setzen sich sehr engagierte Leute ein – teils schon über viele Jahre.

Es gebe in der Gemeinde weitere Voraussetzungen dafür, dass die Jugendbeteiligung so gut aufgestellt sei, weiß Landrätin Schneider. Die Jugendlichen erführen Rückhalt und Unterstützung durch Bürgermeister Dirk Haas, der weiterführt und ausbaut, was sein Amtsvorgänger Erhard Reinl in diesem Bereich auf den Weg gebracht habe.

Bürgermeister Haas schätzt dabei sehr, dass er erfahrene Mitstreiter hat. Er sagt: „Unser Jugendpfleger Andreas Geck macht sich in der Gemeinde seit vielen Jahren für den Kinder- und Jugendbeirat (KJB) stark und hat schon manche Lanze für die junge Generation gebrochen. Jugendbeauftragter Norbert Weigelt hält schon seit vielen Jahren, als ehrenamtlicher Fürsprecher, beständig Kontakt zu den Heranwachsenden. Er hört ihnen zu, nimmt deren Meinung ernst und beteiligt sich an den Sitzungen des Kinder- und Jugendbeirates.“ Norbert Weigelt ergänzt, „dass sich Jugendliche in der Gemeinde engagieren, Themen einbringen und ihre Meinung vertreten, freut alle Beteiligten und motiviert. Das wünschen wir uns in Buseck auch weiterhin für die Zukunft.“

Jugenddezernent Stock bestätigt: „Das ist eine ganz starke Gesamtleistung, die das Busecker Team seit Jahren erbringt. Ohne diese Unterstützung und qualifizierte Ansprechpersonen würde die Meinung der Kinder und Jugendlichen ungehört verklingen.“ Dass dies überhaupt so möglich ist, ist dem klaren Statement der Gemeinde Buseck zu verdanken, personell und finanziell in die Jugendarbeit zu investieren.

Kooperationsvereinbarung regelt Fortsetzung und Ausbau der erfolgreichen politischen Jugendarbeit

Diese soll zukünftig fortgeführt und ausgebaut werden. In der jetzt unterzeichneten Kooperationsvereinbarung ist eine dauerhafte Zusammenarbeit festgeschrieben. Buseck verpflichtet sich unter anderem, die Jugendbeteiligung weiterzuentwickeln und regelhaft einen Jugendbeauftragten zu benennen. Der Landkreis Gießen begleitet dieses Vorhaben, berät und unterstützt. Zudem wird es auch Qualifizierungsseminare geben, in denen man sich mit Fragestellungen zur Jugendbeteiligung auseinandersetzt.

Mit Abschluss dieser Kooperationsvereinbarung erlangt die Gemeinde darüber hinaus die Berechtigung, Projektmittel des Landkreises für dieses Vorhaben zu beantragen. Bürgermeister Haas, Jugendbeauftragter Norbert Weigelt, 1. Vorsitzende des KJB Svenja Koch und Jugendpfleger Andreas Geck berichten, welche Themenfelder und Projekte demnächst konkret bearbeitet werden sollen.

Dazu gehören aktuell die Planungen rund um das Freibad und den neuen Spielplatz in Großen-Buseck. Zudem steht ein neuer Poetry Slam in diesem Jahr auf dem Plan. Die Vernetzung des KJB in Soziale Netzwerke ist auf dem Weg, was auch die Reichweite und Rückkopplung zu den Jugendlichen in der Gemeinde erweitern wird. Ebenso steht die Entwicklung der weiteren Zusammenarbeit des KJB mit dem Jugendbeauftragten und anderen Beteiligungsformen in Buseck an.

Auch die inhaltliche Vertiefung und Zusammenarbeit zum Themenfeld „Demokratie und Demokratische Strukturen in der Kommune“ mit der Gesamtschule in Buseck ist eine Aufgabe. Zum Jahresende finden dann auch die Wahlen zum zwölften KJB statt. Das ein oder andere wird sicher noch hinzukommen. Zu den Kommunalwahlen ist es gelungen, viele jugendliche Erstwähler in den Ablauf des Wahl- und Auszählungsverfahrens einzubinden.

Weitere Kommunen im Landkreis sollen folgen

Demnächst möchte der Landkreis Gießen mit weiteren Städten und Gemeinden die Kooperationsvereinbarung fassen, damit die junge Generation flächendeckend erlebt, dass Partizipation möglich ist. Somit sollen junge Leute eine Stärkung für den weiteren Lebensweg erfahren, führt Hans-Peter Stock an: „Denn wie erfolgreich Jugendliche und junge Erwachsene im weiteren Leben Herausforderungen meistern, hängt auch von guten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab, in denen sie aufwachsen.“ Dieses ‚institutionelle Gefüge des Aufwachsens‘ werde mit dieser Initiative in den Blick genommen.

Ingrid Macht ergänzt: „Wenn Kinder und Jugendliche erfahren, dass ihr Engagement wirkt, wird auch ein Zugehörigkeitsgefühl und Verantwortung für die Gemeinde erzeugt. Dies wiederum ist eine gute Voraussetzung, sich dort auch langfristig zu engagieren – ob in der Kommunalpolitik, im Verein oder im nachbarschaftlichen Miteinander. Wir brauchen für unsere Gesellschaft starke junge Menschen.“ Deswegen werde sie weiter daran arbeiten, die Initiative „Jugendgerechte Städte und Gemeinden und jugendgerechter Landkreis Gießen“ umzusetzen.